Andacht (als Beitrag)

Frage 49 des Heidelberger Katechismus

Was nützt uns die Himmelfahrt Christi?
Erstens:
Er ist im Himmel vor dem Angesicht seines Vaters unser Fürsprecher.
Zweitens:
Wir haben durch unseren Bruder Jesus Christus im Himmel die Gewissheit, dass er als das Haupt uns, seine Glieder, auch zu sich nehmen wird.
Drittens:
Er, sitzend zur Rechten Gottes, sendet seinen Geist zu uns, der uns die Kraft gibt, zu suchen, was droben ist, und nicht das, was auf Erden gilt.

Zu Ostern feiern wir die Auferstehung Jesu Christi, den Sieg des Lebens über den Tod. Zu Pfingsten, 50 Tage nach Ostern, feiern wir die Ausgießung des Heiligen Geistes, die Gabe der Kraft, die in uns den Glauben weckt und uns zur Gemeinschaft der Gläubigen zusammenführt. Dazwischen, 40 Tage nach Ostern, liegt der Feiertag „Christi Himmelfahrt“. Obwohl der Name dieses Feiertags deutlicher als zum Beispiel „Ostern“ oder „Pfingsten“ sagt, was wir an diesem Tag feiern, ist der Inhalt dieses Feiertags weniger bekannt. Für viele ist dieser Feiertag nur als „Vatertag“ bekannt. Was genau damit gemeint ist, dass Jesus Christus in den „Himmel“ fährt, ist oft unklar.
Der Name „Himmelfahrt“ weckt vielleicht eher Phantasien von einem Jesus, der da oben im Blauen von Wolke zu Wolke spaziert. Oder man hat Bilder aus der Raumfahrt vor dem inneren Auge, dass Jesus wie die Astronauten der Internationalen Raumstation ISS die Erde umkreist und auf die kleine blaue Murmel Erde herabsieht.
Gut, dass uns da die Frage 49 weiterhilft zu verstehen, dass „Christi Himmelfahrt“ etwas mit uns zu tun hat, ja uns sogar etwas nützt. Dass Christi Himmelfahrt mehr ist als ein freier Donnerstag, der es uns ermöglicht, mit einem einzigen Urlaubstag ein verlängertes Wochenende zu haben. Was bringt mir das? Diese Frage wird heutzutage oft gestellt. Was mir nichts bringt, wovon ich keinen Vorteil habe, damit befasse ich mich nicht, das ist mir egal. „Christi Himmelfahrt“ hat aber einen Nutzen für uns, darum ist es gut, sich damit zu befassen.
Bevor man sich näher mit dem Nutzen von Christi Himmelfahrt befasst, ist jedoch zu klären, was mit Himmel gemeint ist: Himmel bedeutet die Gegenwart Gottes, die Sphäre, in der Gott ist. Die Erde ist der Lebensraum des Menschen, der Himmel ist der göttliche Bereich. Fährt Jesus Christus also in den Himmel, kehrt er zurück zu Gott, dem Vater, von wo er kam, um Gott und Mensch zu versöhnen, von wo er kommen wird, zu richten die Lebenden und die Toten. Nach dem biblischen Weltbild wird der Himmel auch vorgestellt als der Thronsaal Gottes, in dem man Gott von Angesicht zu Angesicht begegnet. Und wie vor einem irdischen König Bittsteller und Boten erscheinen, so treten auch vor dem göttlichen König Gesandte und Fürsprecher auf.
Was nützt uns die Himmelfahrt Christi? Als erstes haben wir den Nutzen, dass Jesus Christus vor dem himmlischen Vater, dem Herrn über Leben und Tod, unser Fürsprecher ist. Er setzt sich für uns ein, legt ein gutes Wort für uns ein, unterstützt mit seinen Bitten an den Vater unsere Bitten und Anliegen. Beistand und Hilfe gibt uns der bei Gott befindliche Christus.

Was nützt uns die Himmelfahrt Christi? Als zweites ist Jesus Christus der Garant dafür, dass auch wir in den göttlichen, himmlischen Bereich gelangen werden, wo er, unser Bruder, bereits ist. Wir sind Teil des Körpers, dessen Kopf Jesus Christus ist, ohne uns will Jesus Christus nicht leben. So werden wir ihm folgen in den Bereich, der Leben bedeutet, Leben auch über den irdischen Tod hinaus. Leben gibt uns der bei Gott befindliche Christus.
Was nützt uns die Himmelfahrt Christi? Als drittes nutzt uns die Gegenwart des Sohns beim Vater, dass wir von ihm die Kraft gesandt bekommen, die uns durch das Leben hilft, den Heiligen Geist, von Jesus selbst auch der „Tröster“ genannt. Der Geist Jesu lässt uns erkennen, was im Leben wirklich wichtig ist, wonach wir streben sollten, nämlich nach der himmlischen, göttlichen Liebe und nicht nach dem irdischen, menschlichen Konkurrenzkampf.
Zwischen Ostern und Pfingsten liegt „Christi Himmelfahrt“, ein sehr nützlicher Feiertag. Nicht nur nützlich zum Feiern und Freizeit genießen, sondern überaus nützlich, um zu erkennen: Gottes Liebe lässt uns nicht im Stich, Gottes Kraft macht uns stark.

Pastorin Eva-Maria Franke