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Andacht

Wenn aus Fremdem Gutes erwächst … 

Jetzt donnern sie wieder durchs Dorf und hinaus auf die Felder: Maishäcksler, gefolgt von Treckern mit großen Anhängern. Wenn man in diesen Tagen durch die Felder geht, dann kann man die Ernte des Mais beobachten.
Der Mais ist eine Kulturpflanze, die erst nach der Entdeckung Amerikas nach Europa kam. Ich kann mich daran erinnern, dass ich in Kindertagen auf den Feldern in Norddeutschland keinen Mais gesehen habe, sondern es wurden Stoppel und Runkelrüben als Eiweißfutter für das Milchvieh im Winter angebaut. Heute aber stehen auch auf dem Sand und Moorboden des Emslandes und der Grafschaft Maisstauden, weil man Sorten gezüchtet hat, die auch auf magerem Boden wachsen. Der Mais hat die Rüben abgelöst, weil er das hochwertigere Futter ist. So hat der Mensch in die Natur eingegriffen und die landwirtschaftliche Kultur hat sich verändert.
Der Mais ist eigentlich ein „Ausländer“ unter den Kulturpflanzen in unserem Lebensbereich. Aber unter anderem mit seiner Hilfe ist es der landwirtschaftlichen Technik in unseren Breitengraden möglich, einer zahlenmäßig großen Bevölkerung eine auf hohem Niveau stehende Versorgung mit Lebensmitteln zu gewährleisten. Sicher sind einerseits manche Entwicklungen bei der Beeinflussung der Natur durch den Menschen – z.B. die Genmanipulation – kritisch zu betrachten. Andererseits ist der Mais ein gutes Beispiel dafür, dass viel Gutes daraus erwachsen kann, wenn der Mensch die vielen guten Gaben Gottes entdeckt und für sich nutzbar macht.
Für mich steht der Mais auch irgendwie symbolisch für die vielen Fähigkeiten, die in allen Geschöpfen Gottes stecken, auch im Menschen. Manche Menschen, die einst als „Ausländer“ in unseren Lebensbereich kamen, sind heute nicht mehr weg zu denkender Bestandteil unserer Gesellschaft. Was uns früher als fremd erschien, ist heute Teil der bunten und damit lebendigen Kultur in unserem Lebensraum.
Der Apostel Paulus schrieb einst an seinen Freund Timotheus über einige Leute, die falsche Lehren verbreiteten: Diese Leute sind scheinheilige Lügner, die ein schuldbeladenes Gewissen haben. Sie lehren, dass Christen nicht heiraten dürfen, und verbieten ihnen, bestimmte Speisen zu essen – während doch Gott diese Speisen geschaffen hat! Wer Christus angenommen und die Wahrheit erkannt hat, darf sie essen, nachdem er das Dankgebet darüber gesprochen hat. Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut.
Alle Gaben Gottes sind also gut, wenn der Mensch sie mit Respekt und Verantwortung und vor allem mit Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer nutzt. In diesem Sinne feiern wir ein Erntedankfest, das von der Freude über die vielfältigen Gaben Gottes im Menschen und in der Natur bestimmt ist.

Pastorin Eva Maria Franke


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