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Andacht (als Beitrag)

Erntedankfest

Am 1. Sonntag im Oktober feiern wir wieder Erntedankfest. Und auch der Heidelberger Katechismus nennt in seinem dritten Teil die Dankbarkeit als wichtigen Teil des Glaubenslebens eines Christenmenschen.
Das Erntedankfest kann uns zum Nachdenken über unseren tagtäglichen Konsum an Lebensmittel anregen. Und wenn wir genau nachdenken, dann stellen wir fest: Gott gib uns unser tägliches Brot. Er gibt uns genug, um es auch zu teilen mit denjenigen, die Not leiden.
Gott gibt uns genug. Seine Gaben verpflichten uns zu der Aufgabe, mit seiner Schöpfung sorgfältig umzugehen, unser Möglichstes zu tun, um unsere Umwelt, unsere Mitwelt lebensfähig zu erhalten, als Lebensraum für Mensch und Tier und Pflanze zu bewahren.
Wir haben für mehr zu danken als nur unser tägliches Brot. Aber was ist, wenn ich das Gefühl habe, das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen hat mich in der vergangenen Zeit so gebeutelt, dass mir jedes Wort des Dankes im Hals stecken bleibt? Dann ist es hilfreich, die Sichtweise zu ändern und die volle Hälfte des Glases zu betrachten und nicht die leere.
Eine Partnerschaft, die hoffnungsvoll begann, zerbricht. Das gibt Anlass dafür zu danken, dass Freunde in der Zeit der Krise uns beigestanden haben. Ein Mensch oder vielleicht auch ein Tier, den oder das wir geliebt haben, stirbt. Wenn der erste Schock der Trauer vorbei ist, wandern die Gedanken voller Dankbarkeit zu all dem Schönen, das man miteinander erlebt hat. Und wiederum erwächst Dankbarkeit dafür, dass es Menschen gab, die mit einer stummen Umarmung oder vielleicht auch nur hilflos geäußerten Worten -„Ich weiß nicht, was ich sagen soll, aber ich will auch nicht Nichts sagen.“ – ihre Anteilnahme ausgedrückt und Trost gespendet haben.
Wir haben letztlich doch Grund zur Dankbarkeit, denn auch wenn wir jemanden von uns zu Grabe tragen müssen, trägt uns Gott durch die Zeit der Trauer. Denn durch seinen Kreuzestod hat Jesus Christus alles aus dem Weg geräumt, dass uns von Gott trennen könnte. Keine Schuld steht mehr zwischen uns und dem Leben spendenden Gott. Und durch die Auferstehung Jesus Christi können wir darauf vertrauen, dass auch der Tod uns nicht von Gott trennt. Jesus Christus lebt und es ist uns zugesagt, dass auch wir leben werden. Durch Jesus Christus erfahren wir die Fürsorge und Güte unseres himmlischen Vaters, erfahren wir die Gewissheit, dass wir auch über das Ende unseres Daseins hier auf Erden hinaus geborgen sind in den liebenden Armen unseres himmlischen Vaters.
Taucht man dann aus dem Tal der Trauer wieder auf, spürt man, dass das Leben sich nicht besiegen lässt. Ein Kind ist geboren worden und verändert die Blickrichtung von der Vergangenheit auf die Zukunft. Kind, du bist uns anvertraut. Wozu werden wir dich bringen? Wenn du deine Wege gehst, welche Lieder wirst du singen? Welche Worte wirst du sagen und an welches Ziel dich wagen? So fragt ein Tauflied aus unserem Gesangbuch.
Erntedank feiern bedeutet auch, sich darauf zu freuen, dass wir eine Zukunft haben, wenn wir verantwortungsbewusst mit unseren Mitmenschen und unserer Umwelt umgehen.
Im Laufe eines Jahres geschieht in unseren Kirchengemeinden so einiges, wofür wir dankbar sein können. Auch wenn so manches ausfallen musste wegen den Beschränkungen in den letzten Monaten durch die Corona Krise. Kinder werden getauft, junge Erwachsene werden konfirmiert, im Kindergottesdienst, den wir bald wieder beginnen, und Religionsunterricht werden sie an den Glauben herangeführt.
Und Ehen werden geschlossen. Gott segnet uns mit Menschen, die uns zur Seite stehen. Wir können Feste der Liebe feiern, sei es nun in einem Kirchengebäude oder aber auch unter freiem Himmel. Gottes Segen hängt nicht von einem bestimmten Ort ab. Wo immer wir uns im Namen unseres Herrn Jesus Christus versammeln, da ist er mit der Kraft seines guten Geistes in unserer Mitte. Gott schenkt uns seine Liebe, sodass wir aus der Kraft seiner Liebe heraus einander lieben können.
Lebenslang und darüber hinaus erfahren wir Gottes Gaben an uns. In diesem Sinne wünsche ich ein gesegnetes Erntedankfest, wünsche ich uns allen immer wieder neue Anlässe zur Dankbarkeit und offene Augen und Herzen, diese Anlässe zu entdecken.

Pastorin Eva-Maria Franke