Andacht (als Beitrag)

Ein Mann ist in Gewissensnot. Josef, der Zimmermann aus Nazareth, weiß nicht, was er tun soll. Er ist verlobt mit einer jungen Frau namens Maria, die scheinbar von einem anderen Mann schwanger ist. Was kann Josef tun ohne Maria in die Gefahr zu bringen, wegen Ehebruchs verklagt zu werden? Löst er heimlich die Verlobung, könnte Maria diesen anderen Mann heiraten und die Gefahr für sie wäre vorüber. Dann aber ergibt für Josef eine unerwartete Lösung des Problems. Der Evangelist Matthäus schildert in seinem Evangelium die Ereignisse wie folgt:
18Die Geburt Jesu Christi geschah aber so: Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut war, fand es sich, ehe sie zusammenka-men, dass sie schwanger war von dem Heiligen Geist. 19Josef aber, ihr Mann, der fromm und gerecht war und sie nicht in Schande brin-gen wollte, gedachte, sie heimlich zu verlassen. 20Als er noch so dachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen hat, das ist von dem Heiligen Geist. 21Und sie wird einen Sohn gebären, dem sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird sein Volk retten von ihren Sünden. 22Das ist aber alles geschehen, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: 23»Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns. 24Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er, wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich. 25Und er erkannte sie nicht, bis sie einen Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.
Viele Religionen sehen in Träumen einen Weg, auf dem sich die Gottheit dem Menschen offenbart. Auch die Bibel geht davon aus, dass Träume Gottes Willen zeigen können. Josef jedenfalls wusste nach seinem Traum, was Gottes Wille war und wie sein Leben in die Geschichte Gottes mit den Menschen eingebettet ist.
Kurz nach der Geburt Jesu kommt es wieder zu einer brenzligen Situation. Josef ist ein Nachkomme König Davids. Weil er aus der Familie von David stammt, ist er selbst und damit auch sein Sohn Jesus ein möglicher Kandidat für die Königswürde in Israel. Denn einst hatte der Prophet Nathan im Namen Gottes König David zugesagt, dass alle zukünftigen Könige in Israel aus der Familie Davids stammen würden. Von Astrologen aus Persien hatte auch der am-tierende König Herodes erfahren, dass der neue König Israels geboren worden sei. Josef sieht die drohende Gefahr für seine Familie. Aber auch in dieser Notsituation lässt Gott ihn nicht im Stich. Der Evangelist Matthäus berichtet:
13Als sie (die Sterndeuter) aber hinweggezogen waren, siehe, da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib dort, bis ich dir’s sage; denn Herodes hat vor, das Kindlein zu suchen, um es umzubringen.14Da stand er auf und nahm das Kindlein und seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten 15und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes, auf dass erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten gesagt hat, der da spricht: »Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.«
Zum zweiten Mal offenbart Gott Josef seinen Willen im Traum. Mit Josefs Hilfe verwirklicht sich der Plan Gottes zur Rettung der Menschheit. Auch wir träumen, in der Nacht und am Tag. An unsere nächtlichen Träume erinnern wir uns oft nicht, aber man weiß, dass ohne Träumen unsere Seele nicht gesund bleibt. Am Tag träumen wir von einer besseren Welt. Und wenn wir an das Weihnachtsfest denken, träumen wir zunächst erst einmal von guten Stunden im Kreis der Familie, aber dann auch von friedlichen Zeiten auf Erden.
Gott nimmt unsere Träume ernst, er träumt mit uns, lässt uns träu-men, lässt Träume wahr werden. Und das besonders in kritischen Situationen. Das diesjährige Weihnachtsfest wird wohl wieder von der Coronapandemie überschattet sein. Aber wir dürfen gewiss sein, dass Gott uns die Kraft gibt, die Verantwortung für uns und unsere Mitmenschen wahrzunehmen, die im Umgang mit der Pan-demie auf uns lastet. Gottes Frieden, Gottes Liebe erfüllt unsere Träume.

Pastorin Eva-Maria Franke